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T-max: zwischen Motorrad und Scooter

image François-Marie Dumas

François-Marie Dumas, Autor zahlreicher Scooter- und Motorradbücher sowie Berater der Yamaha Produktplanung, war sehr früh in die Konzeptentwicklung des T-Max involviert. Nachdem er die Geschichte der großen Roller studiert hatte, kam er zu folgendem Schluss: Der T-Max, als erstes Fahrzeug überhaupt mit einem horizontal angeordneten Viertakt-Parallel-Twin ausgerüstet, ist eine echte Synthese aus Scooter und Motorrad. T-max repräsentiert damit die Ingenieurs-Träume des vergangenen Jahrhunderts, nämlich beide Fahrzeugkategorien mit einander zu kombinieren.

 

image Maxi-Scooter: Die Verbindung von Leistung und Komfort

Ein neues Motor-Layout sieht man weiß Gott nicht alle Tage. Doch der T-Max ist tatsächlich das allererste Serienfahrzeug, das mit einem Viertakt-Parallel-Twin in nahezu horizontaler Einbaulage ausgerüstet ist. Diese Lösung passt perfekt zu einem Scooter, denn sie liefert zahlreiche Vorteile wie beispielsweise eine geringe Bauhöhe. Allerdings ist es nicht ganz einfach, eine solche Konstruktion in einen Scooter zu verpflanzen, da der Viertaktmotor Platz für seine aufwändige Ventilsteuerung benötigt. Soll er dann noch mit einem konventionellen Getriebe kombiniert werden, gerät der Radstand schnell zu lang. Die Yamaha-Ingenieure hielten jedoch an der ursprünglichen Idee fest, eine Gewichtsverteilung wie beim Motorrad zu verwirklichen. Deshalb kam eine einfache Lösung mittels in die Schwinge integriertem Riemenantrieb, wie er bei kleinen Rollern und weniger sportlichen Modellen eingesetzt wird, nicht in Betracht. Den Technikern gelang es vielmehr, eine ultrakompakte Variomatik zu entwickeln, die an das Kurbelgehäuse des fest verschraubten Motors angeflanscht ist.

image Einzigartiges Konzept: T-Max mit Viertakt-Parallel-Twin, horizontal eingebaut image Rumi Formichino image Olympus

Einzigartiges Konzept
Anders als die ausladenden Viertaktmotoren bereitete der horizontale Einbau von Zweitaktern in der Vergangenheit weniger Probleme. Als berühmtestes Beispiel der Zweiradgeschichte gilt der legendäre Rumi Formichino (kleine Ameise), ein italienischer Roller aus den Fünfziger Jahren. Die Motorräder der Marke Rumi wurden ebenfalls von diesem Twin angetrieben. Auch einige andere Hersteller produzierten liegend eingebaute Zweitakt-Twins: Dazu zählt Motobi (Italien 1952), Olympus und Yamaguchi (250er, Japan 1962) und schließlich Suzuki mit den Modellen 90 Wolf und 125 Leopard (Japan 1969).

image Hildebrand & Wolfmüller image Vergangenheit trifft Zukunft: T-Max und Rumi Formichino image Linto 500

Demgegenüber gibt es nur ein einziges Beispiel für einen liegend eingebauten Viertakt-Parallel-Twin: Es war die Hildebrand et Wolfmüller, die von 1894 bis 1897 (!) gefertigt wurde. Beide Pleuel arbeiteten bei dieser Konstruktion direkt auf der hinteren Radnabe, die damit gleichfalls die Funktion einer Kurbelwelle übernahm! Da die deutsche Pionierleistung am 19. Januar 1896 als erstes Motorrad überhaupt in Japan präsentiert wurde, verstehen wir die Yamaha T-Max als eine Hommage an diesen ersten Meilenstein der nun 100 Jahre währenden Motorradgeschichte in Japan.

Die geringe Bauhöhe einer solchen Konstruktion motivierte einige Renningenieure. Sämtliche Ergebnisse waren jedoch von Hand gefertigte Einzelstücke oder in Kleinstserie aufgelegte Maschinen. Beispiele in chronologischer Reihenfolge: die berühmte AJS 500 Porcupine von 1947, die französische Ultima 500 von 1951 und die sehr bekannte Linto 500, die von zwei kombinierten Aermacchi-Motoren mit je 250 cm3 angetrieben wurde. Damit konnte Linto in den frühen Siebziger Jahren einige Erfolge im Grand Prix Sport verbuchen.

image American Salsbury image Sunbeam 250 cc image Horex Rebell

Die ersten hubraumstarken Scooter
Ursprünglich als motorisiertes Fahrrad eingeführt, blieb der Roller viele Jahre lang ein langsames, hubraumschwaches Fahrzeug. Zwischenzeitlich flammte seine Popularität immer wieder auf, und einige couragierte Hersteller wagten den Versuch, die kleinen Scooter in GT-Fahrzeuge auf zwei Rädern zu verwandeln. Doch offensichtlich wich die Begeisterung schnell, denn keines der Projekte konnte sich durchsetzen.

Zu den interessantesten großvolumigen Scootern aller Zeiten zählt der American Salsbury von 1947. Sein 320 cm3 Motor entwickelte sechs PS bei 2.680 U/min und trieb das Fahrzeug sehr geschmeidig auf über 100 km/h. Noch bevor der Roller Italien eroberte, feierte er im Amerika der späten Dreißiger Jahre wahrhaft riesige Erfolge. Dem Salsbury M85 verdanken wir übrigens den automatischen Antrieb via Fliehkraft-Riemenscheibe, der bis heute in allen modernen Scootern zum Einsatz kommt.

Einer der wenigen Hersteller, die sich an Viertakt-Twins versuchten, war BSA/Triumph. Der Sunbeam 250 - von Triumph unter dem Namen Tigress vermarktet - erblickte Ende 1958 auf der Londoner Messe das Licht der Zweiradwelt.

Wir können unseren historischen Rückblick kaum abschließen, ohne den deutschen Prototypen Horex Rebell von 1956 zu betrachten. Dieses erste sportliche Konzept mit liegendem 250 cm3 Einzylinder und edlen 16-Zoll-Magnesiumrädern war ein echtes Hybridfahrzeug, das Motorrad und Roller in sich vereinte. Der T-Max führt dieses Konzept nun zur Serienreife. Denn alle Lösungen, die in den letzten 100 Jahren von Ingenieuren erträumt worden waren, lassen sich heute mit modernen Technologien und Materialien realisieren. Der T-Max kombiniert die Stärken eines Motorrads mit dem Komfort und der Zweckmäßigkeit eines Scooters.

image Der Weg des T-Max vom frühen Entwurf (oben) bis zur Wirklichkeit (unten)

Eine persönliche Erfahrung
Mein T-Max-Abenteuer begann von Neuem, als ich erstmals auf dem eigenen Scooter Platz nahm. Welch Wunder, es ist noch besser, als ich gedacht habe. So recht nach meinem Geschmack, eine absolut perfekte Balance zwischen Sportlichkeit und Funktionalität. Ein völlig neues Mobilitätskonzept, vielleicht der beste leichte Tourer, der je gebaut wurde. Endlich kann ich die aufregende Erfahrung machen, satte 40 PS über ein Automatikgetriebe abzurufen. Ich genieße jeden Ampelstopp, um die "Joe Bar"-Fans auf ihren Supersportlern zu beobachten - jeder um die Pole Position bemüht, und jeder ein Verlierer, wenn es um die Sprintwertung geht.

Unter seiner sportlichen Verkleidung hält der T-Max echte Tourer-Qualitäten bereit. Jawohl, er ist einer der besten leichtgewichtigen Reisedampfer, die je gebaut wurden. Zu seinen Trümpfen zählen der ausgezeichnete Wind- und Wetterschutz und der absolute Komfort - auch für den Beifahrer, der nicht einmal mit Turbulenzen zu kämpfen hat. Gerne verlasse ich die stark befahrene Autobahn, um den T-Max über kleine verwinkelte Landstraßen zu treiben. Auch hier ist er in seinem Element, und viele stärker motorisierte Biker müssen sich verdammt anstrengen, um mir zu folgen. Kein Zweifel: Die Scooter sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren.

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